Vom Wollen und Wirken

 

Ich war Schüler in der 11. Klasse.

Es war eine Vorführstunde und der damals hospitierende Schulrat trat am Ende vor die Klasse und fragte passend zum Thema dieser Politische-Weltkunde-Stunde:

 

“Was gibt diesem Hundertmarkschein seinen Wert?“

 

Dabei zückte er den Geldschein und hielt ihn hoch.

Die Antwort, die er uns dann selber gab, verblüffte uns alle, hat aber an seiner universellen Richtigkeit bis heute nichts eingebüßt.

 

„Dass wir wollen, dass dieser Geldschein 100 Mark wert ist, gibt ihm seinen Wert.“

 

Heißt das jetzt, dass alles möglich ist, wenn ich nur fest genug daran glaube? Natürlich nicht!

Aber, alles von dem wir glauben, dass es nicht möglich ist, wird durch diese Annahme mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit nicht gelingen.

 

Beantworten Sie doch einfach diese Fragen:

 

  1. Haben wir eine Finanzkrise und wirkt sie sich bei Ihnen persönlich aus?
  2. Glauben Sie, dass Sie Bundeskanzler werden können?
  3. Können Sie zwei dreistellige Zahlen im Kopf miteinander multiplizieren?
  4. Können Sie mit einem gebrochenen Schlüsselbein ohne Pause weiter Krafttraining machen?

 

  1. Nicht nur die Länder Europas sind hoffnungslos überschuldet. Jeder Privathaushalt müsste längst Insolvenz anmelden. Aber alles läuft einfach weiter. Anscheinend glauben wir einfach nicht an eine Krise und folglich findet sie subjektiv nicht statt. Kann das objektiv so weitergehen? Hier ist der Glaube, dass es weitergeht stärker als die wissenschaftliche Erkenntnis.
  2. Natürlich können Sie Bundeskanzler werden. Wenn sich das alle 60 Mio der Wählbaren vornehmen, ist klar, dass bis auf einen alle leer ausgehen. Wie viele fangen deshalb den Weg erst gar nicht an und beweisen damit, dass sie es jedenfalls nicht werden können.
  3. Jeder, der das kleine 1X1 beherrscht, kann das. Es ist ausschließlich eine Frage der Konzentration. Wenn ich an meinen Fähigkeiten zweifle, werde ich im Lösungsprozess irgendwann aufgeben.
  4. Aus persönlichem Erleben weiß ich, dass meine Frau das jedenfalls kann.

 

In SpiegelOnline wurde ein interessanter Artikel zum Thema der Placebo-Forschung veröffentlicht (http://www.spiegel.de/spiegelwissen/selbstheilungskraefte-gesund-durch-zuversicht-a-942818.html).

Eines der wichtigsten Ergebnisse: Wirksame Medikamente, wirksame Maßnahmen werden unwirksam, wenn man nicht an die Wirksamkeit glaubt.

Die Neurophysiologie belegt, dass unser Gehirn Hormone und Enzyme erzeugen kann, für die wir normalerweise Medikamente benötigen.

 

Unternehmen, Teams aber auch Individuen, die sich in eine erfolgsversprechende Position bringen wollen, erreichen dies beispielsweise durch das Training der folgenden drei Resilienzfaktoren:

 

Selbstverantwortung - also Eigenwirksamkeitserleben: „Ich kann das Ergebnis beeinflussen.“

 

Lösungsorientierung - welche ja voraussetzt, dass eine Lösung prinzipiell möglich ist.

 

Positiver Realismus - nicht zu verwechseln mit: „Alles ist möglich“, sondern: „Was brauche ich, damit es klappen könnte?“

 

Tipp: Achten Sie demnächst darauf, ob Sie die erwarteten Schwierigkeiten thematisieren, oder ob Sie die Machbarkeit betonen und sich an die Ressourcen erinnern.

 

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